Interview mit dem Projekt Saubere Sache

Was steht hinter dem Projekt „Saubere Sache“?

In erster Linie die Idee mit sehr wenig Aufwand extrem viel zu erreichen.

Wir von der SAUBEREN SACHE sind alle aktiv im Zero Waste Bereich. Wir stellen unsere Putzmittel selbst her, kaufen im Unverpacktladen und machen unseren Frischkäse selbst. Das reicht aber leider nicht um die Welt zu retten. Da die Plastikherstellung und auch das verrottende Plastik massiven Einfluss auf unser Klima hat, wuchs in uns die Idee unser Wissen in die Welt zu tragen. Da lag es nahe bei einem Produkt anzufangen, welches von jedem uns bekannten Menschen genutzt wird – Waschmittel. Waschpulver selbst herzustellen ist eines der einfachsten DIY Rezepte. Nun fehlte nur noch die Frage, wie dieses selbstgemachte Waschpulver so viele Menschen wie möglich erreicht.

So entstand der Gedanke in Schulen einen Lieferservice einzurichten: Eine Gruppe von Schüler:innen lernt wie man Waschpulver herstellt. Alle Eltern der Schule können daraufhin bei dieser Gruppe leere Gläser und 2 Euro abgeben. Die Schüler:innen befüllen alle Gläser, die Unkosten sind durch die 2 Euro gedeckt. Die Eltern bekommen die gefüllten Gläser durch ihre Kinder wieder nach Hause geliefert.

Wir haben eine Kooperation mit den Unverpacktläden. Alle Zutaten sind also unverpackt und plastikfrei. Ein Glas Waschpulver reicht für 20 Wäschen. So haben die Eltern den minimalen Aufwand ihren Kindern morgens ein leeres Glas mitzugeben und gleichzeitig wird maximal viel Plastik, Duftstoffe, Tenside und mehr eingespart. Das ist die Idee der SAUBEREN SACHE

Warum ist es nachhaltiger, Waschmittel selber herzustellen, als welches zu kaufen?

Hier gibt es richtig viele Gründe. In den meisten konventionellen Waschmitteln finden sich synthetische Tenside, Mikroplastik, Palmöl, Füllstoffe, antibakterielle Inhaltsstoffe, Wasserenthärter und Duftstoffe, um nur einige zu nennen. Alle diese Inhaltsstoffe sind auf unterschiedliche Art problematisch. Viele können nicht oder nur sehr sehr langsam abgebaut werden und belasten unsere Umwelt, insbesondere die Gewässer. Fische fressen Mikroplastik, Haustiere und Menschen werden krank und reagieren allergisch durch die Duftstoffe die dann in der Kleidung für „sauberen Geruch“ sorgen. Antibakterielle Inhaltsstoffe töten nicht nur Bakterien in unserer Waschmaschine, sie zerstören auch lebensnotwendige Bakterien in unseren Gewässern, die wiederum durch Füllstoffe immer mehr versalzen. Waschmittel sorgen an sehr vielen Stellen für ein großes Ungleichgewicht in uns und unserer Umwelt. Die drei Zutaten des Waschpulvers der SAUBEREN SACHE sind alle gesundheitlich und für die Umwelt unbedenklich. Mit Kernseife kann man sich sogar die Zähne putzen – wenn man das mag. Das Natron aus unserem Waschpulver ist genauso in Brausepulver wie in Backpulver zu finden. Es schadet uns und der Umwelt nicht. Abgesehen davon sind unsere Zutaten aus dem Unverpacktladen. Sie enthalten natürlich kein Mikroplastik und waren nie plastikverpackt. Es fällt also KEIN Plastik an.

Was motiviert dich dazu, dich bei SEEd zu engagieren?

Zum einen die persönliche Erfahrung mit meinem zweiten Bildungsweg, der mich zu meiner Berufung, dem Design führte. Dann auch meine Dozententätigkeit, welche ich bereits nach 5 Jahren im Job begonnen habe. Die frischen Erfahrungen aus dem Agenturalltag gleich weitergeben zu können, ist eine erfüllende Kombination. On top, mit dem Schulbeginn meiner Tochter folgt die Auseinandersetzung mit unserem aktuellen Bildungssystem, und meine alternative Entscheidung für das Montessori-Konzept. Aus letzterer rührt dann auch das Engagement für eine Schulgründung her. Die Bildung ist ein roter, oder vielleicht zeitgemäßer gesagt, ein grüner Faden, der sich durch mein Leben zieht.

Was hat die „Saubere Sache“ mit SEEd zu tun?

Seed hat genauso wie die SAUEBRE SACHE das Thema Selbstwirksamkeit im Fokus. Außerdem natürlich gesellschaftlicher Wandel und der Wunsch mitzugestalten, aktiv zu werden und sich zu vernetzen. Beide Projekte finden im Bereich Schule statt und glauben an die große Kraft, die auch von einzelnen Menschen ausgehen kann.

Was können Schüler:innen tun, um sich für Umwelt- und Klimaschutz zu engagieren?

Die Klimakatastrophe ist traurig und bedrohlich. Man bekommt schnell den Eindruck, dass man als einzelner Mensch nichts bewirken kann. Umso wichtiger finde ich sich etwas zu suchen, was einem Spaß macht und Energie gibt. Alle Menschen sind so unterschiedlich. Wenn sich jede:r überlegt, an welcher Schraube er oder sie drehen kann, kommen unzählige unterschiedliche Fähigkeiten zusammen, die in Summe durchaus einen Wandel bewirken können. Wenn ich gerne kreativ bin, kann ich Plastik sparen und Dinge upcyclen, reparieren oder selbst herstellen. Wenn ich mich gerne vernetze kann ich in eine Umweltschutzorganisation eintreten, Demos organisieren oder mich bei Seed engagieren. Wenn ich gerne diskutiere und mitgestalte kann eine politische Arbeit spannend sein. Ich denke, dass Klimaschutz auch bedeutet auf sich selbst aufzupassen. Klimaschutz braucht Kraft und Mut und das funktioniert besser, wenn es Spaß macht. Natürlich ist auch die SAUBERE SACHE aktiver Klimaschutz. Auch da braucht es Menschen die Lust haben das Projekt weiter zu verbreiten, oder das Waschpulver herzustellen - oder auch das Projekt selbst anzuleiten. Wir freuen uns über alle die sich melden und Teil der SAUBEREN SACHE werden möchten!

Welche Tipps kannst du Schüler:innen für ihr späteres Arbeitsleben mit auf den Weg geben?

Hier antworte ich ähnlich wie auf die Frage nach dem Klimaschutz. Man verbringt viel Zeit bei der Arbeit. Für mich ist also die Frage wichtig: Was gibt mir Energie, was macht mir Spaß, wovon möchte ich mehr in die Welt tragen? Alles andere kann auf Dauer sehr anstrengend sein. Manchmal ist es sehr schwer genau diese Fragen zu beantworten. Da hilft vielleicht ausprobieren, Praktika machen oder auch Menschen mit Fragen löchern die beruflich das machen, was ich interessant finde. Ich selbst habe sehr viel angefangen und wieder aufgehört. Viele Jahre lang. Ich dachte immer das sei schlecht, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Inzwischen weiß ich, dass genau das meine Stärke ist: Projekte anschieben, voll und ganz mit Spaß arbeiten und dann auch wieder zu gehen und neue Projekte anschieben. Ich will damit sagen, dass es wichtig ist sich selbst ein bisschen zu verstehen und das was ich brauche, dann kann eine vermeintliche Schwäche genau zur eigenen Stärke werden. Für mich war wichtig zu verstehen, dass ich niemals „einen Beruf für immer“ haben werde. Und das mich genau das zufrieden macht. Das ist aber für alle Menschen sehr individuell. Bei der SAUBEREN SACHE habe ich gelernt, wie viele Türen sich öffnen, wenn man von einer Sache überzeugt ist. Vieles geht dann von ganz alleine. Meine Empfehlung ist also: einfach anfangen und ausprobieren und wenn es sich nicht mehr gut anfühlt eine andere Richtung einschlagen!